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Kino 26.09.2026

Vor 40 Jahren erschien ein geniales Thriller-Meisterwerk: Es ist der perfekte Einstieg in die vielleicht beste Filmografie aller Zeiten

Vor 40 Jahren erschien ein geniales Thriller-Meisterwerk: Es ist der perfekte Einstieg in die vielleicht beste Filmografie aller Zeiten
Dieser psychosexuelle Mystery-Thriller entfaltet sich wie ein schrecklich-schöner Alptraum und zählt zum absolut Besten, was die 80er Jahre auf der Leinwand zu bieten hatten.

Die Filmografie von Hollywood-Surrealist David Lynch, der leider vergangenes Jahr gestorben ist, wirkt auf viele mehr als einschüchternd. Seine Werke gelten als undurchdringlich und verstörend. Wo soll man überhaupt anfangen? Auf genau diese Frage gibt es zum Glück die perfekte Antwort.

Ihr wollt etwas für den Regisseur Typisches sehen, aber nicht unbedingt mit seinen abenteuerlichsten Avantgarde-Auswüchsen anfangen? Dann ist der spannende Mystery-Thriller Blue Velvet, der vor 40 Jahren im September 1984 Premiere feierte, genau die richtige Wahl.

David Lynchs genialer Thriller Blue Velvet taucht das US-Kleinstadtleben in Dunkelheit

Der Begriff lynchian wird heutzutage ziemlich inflationär für alles, was irgendwie filmisch seltsam oder surreal wirkt, verwendet. Dabei ist das sich auf die Werke von David Lynch beziehende Wort viel spezifischer. Es meint auch das "Gleichgewicht zwischen dem Makabren und dem Alltäglichen" (wie David Foster Wallace meinte), das man in seinen Filmen vorfindet.

Kaum ein anderer Titel aus seiner brillanten Filmografie zeigt diesen Balanceakt so hervorragend wie Blue Velvet, wo zu Beginn ein samtblauer Vorhang etwas Geheimnisvolles dahinter vermuten lässt. Danach sehen wir pittoreske Szenen einer amerikanischen Bilderbuchkleinstadt, die in den 50ern stehengeblieben zu sein scheint, nur um darunter im Boden allerlei garstige Käfer zu entdecken.

Die Kleinstadt heißt Lumberton und ist der Heimatort von Jeffrey Beaumont (Kyle MacLachlan), der dorthin zurückkehrt, um seinen kranken Vater zu sehen. Als er beim Spazierengehen ein abgetrenntes menschliches Ohr findet, gerät der neugierige junge Mann in einen Strudel aus Kriminalität und sexueller Gewalt.

Zum einen lernt er Sandy (Laura Dern) kennen, die junge Tochter des ermittelnden Polizisten. Von ihr erfährt er von der mysteriösen Frau im Zentrum des Falls: der Barsängerin Dorothy Vallens (Isabella Rossellini). Um mehr zu erfahren, schleicht Jeffrey sich eines Nachts heimlich in ihr Apartment, wo er kurz darauf ins Visier des eifersüchtigen Gangsters Frank Booth (Dennis Hopper) gerät – einer der gefährlichsten Ganoven, die je die Leinwand zierten.

Hier der Trailer zum Thriller-Highlight Blue Velvet:

Die Gegensätzlichkeit von heiler Kleinstadtidylle und mörderischem Crimedrama spiegelt sich sowohl in Jeffrey als auch seinen beiden gegensätzlichen Frauen wider. Er ist gleichermaßen Detektiv und Perverser, während die naive Highschool-Romanze mit Sandy das Licht und die handgreifliche Affäre mit Dorothy die Schattenwelt verkörpern.

Diese Dualitäten schließen sich aber keineswegs aus, sondern stehen in einer Yin-Yang-Situation zueinander. Die Schönheit der Natur enthält ebenso ein brutales Fressen und Gefressenwerden. Wie das lichtbringende Rotkehlchen aus Sandys prophetischem Traum, das wir am Ende des Films mit einem zappelnden Käfer im Schnabel sehen.

Jenseits des blauen Samtes lungert weitaus Seltsameres

Blue Velvet steckt voller Lynch-Eigenheiten, was das Filmemachen und seine wiederkehrenden Motive angeht: Volkstümliche Americana, Vorhänge, Feuer, Frauen in Schwierigkeiten, das Schöne im Schrecklichen und das Schreckliche im Schönen.

Auch besitzt der Film (nicht zuletzt durch den kongenialen Soundtrack von Lynchs Go-to-Komponist Angelo Badalamenti) eine unwirkliche Traumhaftigkeit, als würden wir uns in einer halbironischen Pastiche sowohl von Amerika als auch von Kriminalfilmen einer längst vergangenen Ära befinden. Und während es dazu umwerfende Tableaus als Szenenbilder zu sehen gibt, die Lynchs Hintergrund als bildender Künstler offenbaren, bleibt die Handlung trotz exzentrischer Schnörkel relativ bodenständig.

Wer nach dem Thriller etwas mutiger werden möchte, was die Filmografie des Regisseurs angeht, kann mit seinem gefeierten Hollywood-Alptraum Mulholland Drive weitermachen oder sich zu seinen noch experimentelleren Anfängen mit Eraserhead trauen. In geistiger Hinsicht die direkteste Nachfolge trat hingegen seine ikonische Mysteryserie Twin Peaks an, für die Blue Velvet sozusagen die Blaupause war. Dass die Handlung in dieser Kleinstadt genauso auf dem Boden der Realität bleibt, können wir allerdings nicht versprechen.

Zum Weiterlesen:

  • David Lynchs großes Meisterwerk wurde jahrelang verschätzt
  • Die Mysteryserie, die eure Hirnchemie verändern wird, streamt kostenlos

Streamen kann man Blue Velvet aktuell nur als Leih- und Kauftitel bei Anbietern wie Sky, Apple TV und Maxdome; die DVD oder Blu-ray gibt es von Arthaus und Leonine. Twin Peaks ist aktuell (bis auf den Prequel-Film Fire Walk With Me, der zwischen die Originalserie und das Revival namens The Return gehört) kostenlos bei Arte in der Mediathek vorzufinden.

Zum Originalartikel →

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