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Rock / Heavy Metal 23.09.2026

Review zum Thriller "Primetime"

Review zum Thriller "Primetime"

Mit dem Format “To Catch A Predator” für den TV-Sender NBC machte der US-Journalist Chris Hansen Mitte der 2000er Jahre eine Form der Selbstjustiz salonfähig, indem er Pädophile in eine Falle lockte und öffentlich bloßstellte. Über Chats und Foren gewannen seine Mitarbeiter das Vertrauen der Triebtäter und vereinbarten ein Treffen, bei dem Hansen sie vor laufender Kamera zur Rede stellte.

Die Reality-Show sorgte für Diskussionen darum, wie weit das Fernsehen gehen darf und sollte. Im vergangenen Jahr rollte Regisseur David Osit in seinem Dokumentarfilm “Predators” den Fall neu auf. Dokumentarfilmer Osit sprach mit Mitwirkenden und auch mit Hansen selbst und zeichnete ein ambivalentes Bild. Ging es den Machern wirklich um Aufklärung oder nur um die Befriedigung der Sensationslust des Millionenpublikums? Heiligt der Zweck jedes Mittel? Osit gelang es mit seinem Film die Kontroverse aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und zum Nachdenken anzuregen.

Nun hat sich der Dokumentarfilmregisseur Lance Oppenheim an eine Fiktionalisierung des Stoffes gewagt. Er schildert die Ereignisse hinter den Kulissen und macht daraus einen hochspannenden Thriller. An dessen Anfang ist Chris Hanson (Robert Pattinson) noch ein aufstrebender Fernsehjournalist mit zweierlei Visionen. Er will pädophile Triebtäter zur Strecke bringen und die Welt verbessern. Daneben geht es ihm aber auch darum, dass seine journalistische Arbeit endlich die Anerkennung erhält, die sie in seinen Augen verdient. Hansons Ambitionen machen vor allem seiner Produzentin Andie Bender (Merritt Wever) das Leben schwer. Der Getriebene entscheidet erratisch und ist zunehmend abgelenkt von einem anonymen Anrufer, der dem verheirateten Vater droht, seine Liebesaffäre auffliegen zu lassen.

Primetime | Thriller

Regie: Lance Oppenheim
Mit: Robert Pattinson, Skyler Gisondo, Anna Faris, Merritt Wever
Leonine, 110 Minuten
ab dem 24.09. im Kino

Robert Pattinson spielt das hervorragend mit der von ihm schon aus “Das Drama” oder “Die My Love” bekannten Mischung perfider Hilflosigkeit. Er spielt Hanson als einen Mann, der bereit ist, alle mit sich in den Abgrund zu reißen. Die Inszenierung mit den grobkörnigen Aufnahmen aus den Überwachungskameras und extremen Close-ups sorgt für Beklemmung. Die Figur des “Decoy-Dan” (Skyler Gisondo), einem jugendlich-naiv wirkenden Lockvogel, verleiht der Geschichte zusätzliche Tragik. Wer die Doku allerdings gesehen hat und weiß, welchen Ausgang Hansons Karriere nahm, der findet auf Seiten der Story nur wenig Neues. Trotzdem: Ein unangenehmes Kinoerlebnis, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

8 / 12

Der Beitrag Heiligt der Zweck jedes Mittel? erschien zuerst auf VISIONS.de.

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