Ben Afflecks neuer Netflix-Thriller Animals ist der perfekte Freitagabendfilm

Muss ein Netflix-Original heutzutage überhaupt noch richtig gut sein, oder reicht es, wenn man sich damit kurzweilig die Zeit vertreiben kann? Jeder kennt die Situation, wenn man am Freitagabend zu Hause vor dem Netflix-Programm sitzt und einfach nur einen Film schauen will, der nicht zu lange dauert und beim Wegdösen zur Berieselung taugt. In dieser Hinsicht ist der neue Thriller Animals mit Ben Affleck als Regisseur und Hauptdarsteller wahrscheinlich ein perfekter Netflix-Film.
Neu im Netflix-Abo: Animals treibt Ben Affleck in eine immer ausweglosere Situation
In seiner neuen Regiearbeit spielt Affleck die Hauptfigur Mark Kimball, der für den Bürgermeisterposten in seiner Heimatstadt Los Angeles kandidiert. Die anfänglichen Montagen des Films zeigen Mark als ambitionierten, aufrichtigen Politiker, der zahlreiche lokale Probleme wie die verheerenden Waldbrände und massive Obdachlosigkeit angehen muss.
Die Umfragewerte fallen zu Beginn von Animals jedoch so eng aus, dass Mark auch seine letzten Vermögensreste in seine selbstfinanzierte politische Kampagne pumpen muss, um die nötigen Prozentpunkte zu erreichen und die Wahl für sich zu entscheiden.
Hier könnt ihr noch den deutschen Trailer zu Animals schauen:
Während er kaum bemerkt, wie ihm sein Privatleben in Form der Ehe mit seiner Frau Abigail (Kerry Washington) immer weiter entgleitet, kommt es zur Katastrophe. Mark erhält einen Anruf mit der Nachricht, dass sein Sohn während eines Halloween-Ausflugs in der Stadt gekidnappt wurde. Die Entführer fordern am Telefon 7 Millionen Dollar Lösegeld, das Mark innerhalb weniger Stunden aufbringen muss. Eine Summe, die er aufgrund seiner vorherigen Entscheidung gar nicht mehr hat.
Animals ist solide Thriller-Kost, die nicht begeistert und so perfekt ins Netflix-Sortiment passt
Marks Wahlkampfmanager Sam (Steven Yeun) bringt schließlich die mysteriöse Fixerin Dayle ins Spiel, die den gewaltigen Betrag sofort als Leihsumme beschaffen kann und sich selbst einen großzügigen Anteil daran sichert. Akte X-Star Gillian Anderson spielt die Figur als bedrohliche Eiskönigin, die sich mit den Entführern auf ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel einlassen will.
Aus dieser Ausgangslage formt Affleck hinter der Kamera einen anfangs geradlinigen Thriller, der mit einigen Wendungen und Überraschungen bei der Stange hält. Neben dem Entführungsplot an sich ist das Drehbuch des Films mit Seitenhieben auf den Zustand der amerikanischen Gesellschaft angereichert.
Vor allem die mexikanische Haushälterin der Kimballs und ihr als Gärtner aushelfender Lebensgefährte ohne Aufenthaltsgenehmigung entwickeln sich langsam zu Schlüsselfiguren in dem Geflecht aus moralischen Grenzen und drastischen Verstrickungen, die nah an Marks politischem Machtkampf entlang verlaufen.
Bis zum turbulenten Finale entwickelt Animals trotzdem nur einen routiniert-soliden Sog, der an unzählige ähnlich konstruierte Thriller erinnert. Als Regisseur großer Filme wie Argo und The Town spult Affleck die Inszenierung von Animals überwiegend unauffällig ab. Kameramann Robert Elswit, der unvergessliche Bilder in Werken wie There Will Be Blood, Nightcrawler oder Mission: Impossible 4 - Phantom Protokoll kreierte, liefert einen akzeptablen Job ab, was sich nahtlos in das Level einer solchen Netflix-Produktion einfügt.
Wenn ich beispielsweise einen inhaltlich ähnlichen Thriller wie Prisoners von Dune-Regisseur Denis Villeneuve mit Animals vergleiche, zieht Afflecks Film klar den Kürzeren. Trotz Überlänge ist die Geschichte um zwei entführte Mädchen und die Suche eines Vaters und eines Ermittlers von so brodelnder Intensität, dass die zweieinhalb Stunden an einem vorbeirauschen.
Prisoners dringt tief in das getriebene Innenleben seiner Figuren ein, leuchtet finsterste Abgründe aus und wird von einer Bildgewalt getragen, die Animals auf Netflix daneben wie einen Amateurfilm aussehen lässt.
Dieser ist mit 108 Minuten Laufzeit gerade noch kurz genug, um mit seinen oberflächlichen Reizen nicht die nervenstrapazierende Dauer von über zwei Stunden zu überschreiten. Dabei agiert der Cast bemüht in Rollen, die nur ab und zu über Thriller-Klischees hinausgehen. Das ist praktisch, um sich, wie anfangs erwähnt, einen Abend lang die Zeit zu vertreiben. Darüber hinaus dürfte Animals aber nach wenigen Tagen schon wieder aus der Erinnerung verschwunden sein.
Animals streamt seit dem 9. Oktober 2026 im Netflix-Abo.
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